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Was passiert bei der Eizellentnahme?

Alles, was du über den Eingriff zur Eizellentnahme wissen solltest – von der Vorbereitung und Narkose bis zur Erholung und möglichen Nebenwirkungen.

Was passiert bei der Eizellentnahme?

Die Eizellentnahme ist oft der Moment, in dem die IVF-Behandlung vom Vorbereiten ins Handeln übergeht. Nach Tagen voller Injektionen, Blutabnahmen und Ultraschallkontrollen werden die Eizellen, die dein Körper so sorgfältig herangereift hat, endlich entnommen. Der Eingriff selbst dauert meist nur 15 bis 30 Minuten – trotzdem ist es völlig verständlich, vorher nervös zu sein. Dieser Artikel erklärt dir alles, was du wissen musst: von den letzten Stunden der Vorbereitung über den Eingriff selbst bis zur anschließenden Erholung.

Was ist die Eizellentnahme?

Die Eizellentnahme – auch Follikelpunktion oder Oozytenpunktion genannt – ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem reife Eizellen aus den Eierstöcken entnommen werden. Sie findet nach der ovariellen Stimulationsphase statt, wenn die Überwachung zeigt, dass die Follikel eine ausreichende Größe erreicht haben und die darin enthaltenen Eizellen voraussichtlich reif sind.

Der Eingriff erfolgt transvaginal, also ohne externe Schnitte. Unter Ultraschallkontrolle wird eine dünne Nadel durch die Vaginalwand in jeden Eierstock geführt. Die Flüssigkeit in jedem Follikel wird vorsichtig aspiriert (abgesaugt), um die Eizellen zu gewinnen. Diese werden sofort an das Embryologieteam übergeben, das sie untersucht.

Die Tage vor der Eizellentnahme

Die Auslösespritze

Der letzte und zeitlich kritischste Schritt vor der Eizellentnahme ist die Auslösespritze, die etwa 36 Stunden vor dem geplanten Eingriff verabreicht wird. Diese Injektion – meist hCG (humanes Choriongonadotropin) oder ein GnRH-Agonist – löst die finale Reifung der Eizellen in den Follikeln aus. Ohne diese Auslösung wären die Eizellen nicht reif genug zur Befruchtung.

Deine Klinik gibt dir einen sehr genauen Zeitpunkt für diese Injektion vor – oft auf die Minute genau. Wenn deine Entnahme beispielsweise für Mittwoch 8:00 Uhr geplant ist, könnte die Auslösespritze Montagabend um 20:00 Uhr fällig sein. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Die Eizellen müssen entnommen werden, nachdem sie gereift sind, aber bevor der Körper von selbst ovuliert.

Anweisungen vor dem Eingriff

In den Stunden und Tagen vor der Eizellentnahme wirst du von deiner Klinik in der Regel gebeten:

  • Ab Mitternacht nichts mehr zu essen oder zu trinken (oder 8 bis 12 Stunden vor dem Eingriff), da du eine Sedierung erhältst
  • Am Tag des Eingriffs auf Parfüm, Deo und andere parfümierte Produkte zu verzichten, da diese im Labor für Eizellen toxisch sein können
  • Nagellack von mindestens einem Finger zu entfernen, damit das Pulsoximeter während der Narkose korrekt funktioniert
  • Jemanden zum Heimfahren zu organisieren, da du nach der Sedierung nicht selbst fahren darfst
  • Bequeme, lockere Kleidung zu tragen, die sich leicht an- und ausziehen lässt
  • Schmuck und Wertsachen zu Hause zu lassen
Wenn du täglich Medikamente nimmst, frag deine Klinik, welche du am Morgen des Eingriffs einnehmen oder auslassen sollst.

Der Tag der Eizellentnahme

Ankunft und Vorbereitung

Du triffst 30 bis 60 Minuten vor dem geplanten Eingriff in der Klinik oder im OP-Zentrum ein. Nach der Anmeldung wechselst du in ein Krankenhaushemd, und eine Venenverweilkanüle wird in deine Hand oder deinen Arm gelegt. Eine Pflegeperson bespricht deine Krankengeschichte mit dir, bestätigt deine Identität und den Ablauf und erklärt, was dich erwartet.

Dein Partner oder die samenspendende Person muss möglicherweise ebenfalls anwesend sein, um eine frische Samenprobe abzugeben – sofern kein eingefrorenes Sperma verwendet wird. Manche Kliniken entnehmen die Probe gleichzeitig mit den Eizellen; andere bitten darum, sie früher am Morgen abzugeben.

Narkose und Sedierung

Die Eizellentnahme wird unter intravenöser Sedierung durchgeführt, die manchmal als „Dämmerschlaf" bezeichnet wird. Sie ist leichter als eine Vollnarkose, aber tiefer als eine Lokalanästhesie. Häufig eingesetzte Medikamente sind:

  • Propofol: Ein schnell wirkendes Sedativum, das innerhalb von etwa 10 Sekunden einsetzt
  • Fentanyl: Ein kurzwirksames Schmerzmittel
  • Midazolam (Dormicum): Ein Angstlöser, der auch eine leichte Amnesie bewirkt
Durch die Kombination dieser Mittel befindest du dich während des Eingriffs in einem tief entspannten Zustand. Die meisten Patientinnen haben kaum oder gar keine Erinnerung an die Entnahme selbst. Du atmest weiterhin selbstständig – kein Beatmungsschlauch ist nötig –, wirst aber durchgehend von der Anästhesieperson überwacht: Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Atmung werden lückenlos kontrolliert.

Manche Kliniken bieten verschiedene Sedierungsoptionen an. Sprich deine Wünsche und eventuelle Bedenken zur Narkose vorab mit deinem medizinischen Team ab.

Der Eingriff

Während du sediert ruhst, beginnt die Ärztin oder der Arzt mit der Entnahme:

  1. Ein transvaginaler Ultraschallkopf mit angebrachter Nadelführung wird vorsichtig eingeführt
  2. Das Ultraschallbild zeigt die Eierstöcke und die darin befindlichen, flüssigkeitsgefüllten Follikel
  3. Eine dünne Aspirationsnadel (ca. 17 bis 18 Gauge) wird durch die Vaginalwand in den nächstgelegenen Eierstock vorgeschoben
  4. Jeder sichtbare Follikel wird punktiert, und die Follikelflüssigkeit wird über einen Schlauch in ein Reagenzglas abgesaugt
  5. Die Embryologin oder der Embryologe untersucht jeden Röhrchen-Inhalt sofort unter dem Mikroskop im angrenzenden Labor, um Eizellen zu identifizieren
  6. Der Vorgang wird wiederholt für jeden Follikel beider Eierstöcke, bis alle zugänglichen Follikel durchgearbeitet sind
Der gesamte Eingriff dauert meist 15 bis 30 Minuten, abhängig von der Anzahl der Follikel und der Lage der Eierstöcke. Manche Entnahmen sind in nur 10 Minuten abgeschlossen.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Follikel enthält eine Eizelle, und nicht jede entnommene Eizelle ist reif. Deine Klinik informiert dich noch am selben Tag oder am nächsten Morgen über die Gesamtzahl der gewonnenen und davon reifen Eizellen.

Wie viele Eizellen werden typischerweise entnommen?

Die Anzahl variiert erheblich von Person zu Person. Als optimale Ausbeute für einen einzigen IVF-Zyklus gelten allgemein 10 bis 15 reife Eizellen. Allerdings:

  • Manche Patientinnen haben 5 oder weniger Eizellen – vor allem bei eingeschränkter ovarieller Reserve oder höherem Alter
  • Andere haben 20 oder mehr, was bei jüngeren Patientinnen oder solchen mit PCOS häufiger vorkommt
  • Die „richtige" Anzahl hängt von deiner individuellen Situation und deinen Behandlungszielen ab
Letztlich zählt nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität der Eizellen – und die wird stark vom Alter beeinflusst.

Nach dem Eingriff

Unmittelbare Erholung

Nach der Entnahme wirst du in einen Aufwachraum gebracht, wo du 30 bis 60 Minuten ruhst, bis die Sedierung abklingt. In dieser Zeit:

  • Überwacht eine Pflegeperson deine Vitalzeichen
  • Kannst du dich schläfrig, leicht übelkeitig oder benommen fühlen – alles normale Nachwirkungen der Sedierung
  • Spürst du möglicherweise leichte Krämpfe oder ein Druckgefühl im Unterbauch
  • Fühlst du dich in den meisten Fällen nach etwa einer Stunde gut genug zum Gehen
Vor der Entlassung teilt dir eine Pflegeperson oder eine Ärztin beziehungsweise ein Arzt die vorläufige Eizellenanzahl mit und erklärt die Verhaltensregeln nach dem Eingriff. Du brauchst jemanden, der dich nach Hause fährt.

Die ersten 24 bis 48 Stunden

Plane, den restlichen Tag ruhig zu verbringen. Viele Patientinnen fühlen sich am nächsten Tag fit genug für die Arbeit, aber hör auf deinen Körper. Häufige Erlebnisse in den ersten ein bis zwei Tagen:

  • Leichte bis mittlere Krämpfe: Ähnlich wie Menstruationsschmerzen. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol sind in der Regel empfohlen. Die meisten Kliniken raten von Ibuprofen und Aspirin ab, da diese die Blutgerinnung und die Gebärmutterschleimhaut beeinflussen können.
  • Blähungen: Deine Eierstöcke sind durch die Stimulation und die Entnahme noch vergrößert. Das ist normal und legt sich meist innerhalb einiger Tage bis einer Woche.
  • Leichtes vaginales Schmieren: Eine kleine Blutung an den Einstichstellen ist zu erwarten.
  • Müdigkeit: Die Kombination aus Eingriff, Sedierung und den hormonellen Veränderungen der vergangenen Wochen kann dich erschöpft fühlen lassen.
  • Verstopfung: Eine häufige Nebenwirkung der Hormonmedikamente und der Narkosemittel. Viel trinken und ballaststoffreiche Ernährung helfen.

Erholung in der darauffolgenden Woche

Die meisten körperlichen Beschwerden klingen innerhalb von drei bis sieben Tagen ab. Die Eierstöcke können ein bis zwei Wochen brauchen, um wieder ihre normale Größe anzunehmen. Während der Erholung:

  • Vermeide anstrengende körperliche Aktivität und schweres Heben für etwa eine Woche
  • Vermeide Geschlechtsverkehr, bis du grünes Licht von deiner Ärztin oder deinem Arzt bekommst – in der Regel nach ein bis zwei Wochen
  • Trink ausreichend: Wasser und elektrolytreiche Getränke sind ideal
  • Iss nährende, leicht verdauliche Kost: proteinreiche Mahlzeiten und Suppen
  • Vermeide Bäder und Schwimmbäder für einige Tage, um das Infektionsrisiko zu senken; Duschen ist problemlos möglich

Mögliche Risiken und Komplikationen

Die Eizellentnahme ist ein sicherer Eingriff, und ernsthafte Komplikationen sind selten. Dennoch solltest du die möglichen Risiken kennen:

Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)

OHSS tritt auf, wenn die Eierstöcke übermäßig stark auf die Stimulationsmedikamente reagieren, sich vergrößern und Flüssigkeit in die Bauchhöhle abgeben. Es betrifft etwa 3 % oder weniger aller IVF-Patientinnen. Die Symptome reichen von mild (Blähungen, Übelkeit) bis schwer (rasche Gewichtszunahme, Atemnot, verringerte Urinmenge).

Leichtes OHSS klingt in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen von selbst ab. Schweres OHSS erfordert medizinische Behandlung und manchmal einen Krankenhausaufenthalt. Risikofaktoren sind junges Alter, geringes Körpergewicht, PCOS, hohe AMH-Werte und eine große Anzahl an Follikeln.

Deine Klinik ergreift Maßnahmen, um das OHSS-Risiko zu minimieren: Anpassung der Medikamentendosen, Verwendung eines GnRH-Agonist-Triggers statt hCG und gegebenenfalls Empfehlung eines Freeze-all-Ansatzes (alle Embryonen einfrieren und den Transfer auf einen späteren Zyklus verschieben).

Infektion

Das Infektionsrisiko nach der Eizellentnahme ist sehr gering – auf unter 0,1 % geschätzt. Oft werden vorbeugend Antibiotika verschrieben. Wende dich an deine Klinik, wenn du Fieber über 38,3 °C entwickelst, die Beckenschmerzen schlimmer werden oder es zu übel riechendem Vaginalausfluss kommt.

Blutung

Leichtes Schmieren ist normal; eine starke innere oder äußere Blutung ist selten. Die Aspirationsnadel ist dünn, und die Ärztin oder der Arzt führt den Eingriff unter Echtzeit-Ultraschallkontrolle durch, um größere Blutgefäße zu meiden. Bei starker vaginaler Blutung oder Zeichen einer inneren Blutung (Schwindel, Benommenheit, rasender Puls) wende dich sofort an deine Klinik.

Verletzung benachbarter Strukturen

Sehr selten kann die Nadel den Darm, die Blase oder Blutgefäße in der Nähe der Eierstöcke berühren. In erfahrenen Händen ist diese Komplikation äußerst ungewöhnlich.

Wann du deine Ärztin oder deinen Arzt anrufen solltest

Kontaktiere deine Fertilitätsklinik oder geh in die Notaufnahme, wenn du Folgendes bemerkst:

  • Starke oder sich verschlechternde Bauchschmerzen, die auf rezeptfreie Schmerzmittel nicht ansprechen
  • Starke vaginale Blutung (Durchnässen einer Binde in einer Stunde oder weniger)
  • Fieber über 38,3 °C
  • Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Anhaltende Übelkeit, die das Trinken unmöglich macht
  • Rascher Gewichtsanstieg von mehr als 1 kg pro Tag
  • Deutlich verringerter Harndrang
  • Schwindel oder Ohnmachtsgefühl

Was als Nächstes mit deinen Eizellen passiert

Noch am Tag der Entnahme werden die Eizellen auf Reife geprüft und entweder durch konventionelle IVF oder durch ICSI befruchtet. Am nächsten Morgen prüft das Embryologieteam, ob eine Befruchtung stattgefunden hat, und in den folgenden drei bis sechs Tagen werden die entstandenen Embryonen kultiviert und in ihrer Entwicklung beobachtet.

Du erhältst in dieser Zeit regelmäßige Updates von deiner Klinik. Das Warten kann emotional belastend sein – aber denk daran: Jeder Schritt ist ein Schritt nach vorne.

Der emotionale Aspekt

Neben dem Körperlichen kann die Eizellentnahme eine Reihe von Gefühlen auslösen. Manche fühlen sich erleichtert, dass die Injektionsphase vorbei ist. Andere machen sich Sorgen um die Anzahl der Eizellen oder darum, was als Nächstes kommt. Wenn weniger Eizellen gewonnen wurden als erhofft, ist Enttäuschung völlig verständlich – aber denk daran: Qualität ist wichtiger als Quantität, und es braucht nur einen guten Embryo für eine Schwangerschaft.

Sei sanft mit dir selbst. Stütze dich auf deinen Partner, eine Freundin oder einen Freund, oder eine Selbsthilfegruppe. Die Gemeinschaft der Menschen auf dem Kinderwunschweg ist groß und mitfühlend – du musst das nicht allein verarbeiten.

Hinweis zu medizinischen Ratschlägen

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Die Autorinnen und Autoren dieses Blogs sind keine Ärztinnen, Ärzte oder medizinisches Fachpersonal. Bitte wende dich vor jeder Entscheidung zu deiner Behandlung immer an deine Fertilitätsspezialistin, deinen Fertilitätsspezialisten oder eine andere Fachkraft im Gesundheitswesen. Jeder Kinderwunschweg ist einzigartig, und nur dein medizinisches Team kann dir eine auf deine Situation zugeschnittene Beratung bieten.

Fazit

Die Eizellentnahme ist ein kurzer, aber entscheidender Schritt im IVF-Prozess. Wenn du weißt, was dich vorher, dabei und danach erwartet, kann das die Nervosität lindern, die diesem Eingriff ganz natürlicherweise vorausgeht. Die große Mehrheit der Patientinnen verträgt den Eingriff gut und erholt sich schnell. Wie auch immer deine Eizellenanzahl ausfällt: Dieser Schritt ist echter Fortschritt auf deiner Kinderwunschreise – und das darf sich gut anfühlen.

Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Die Autoren sind keine Ärzte oder medizinischen Fachkräfte. Konsultiere immer deinen Fruchtbarkeitsspezialisten oder Arzt, bevor du Behandlungsentscheidungen triffst.

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